Polizei geht – LOLA kommt! Wie alles anfing…80er Jahre

1986 wird bekannt, dass die beiden bisherigen Bergedorfer Polizeiwachen zugunsten einer Großraumwache am Sander Damm frei werden sollen. Dies sieht eine kleine Gruppe Unentwegter in Sachen Kultur und Aufbruch in Bergedorf als Chance, große Ideen endlich Wirklichkeit werden zu lassen: Bergedorf braucht ein Kulturzentrum!!

Im Januar 1989 gründet sich die Initiative für ein Stadtteilkulturzentrum in Bergedorf. Viele der Aktiven entstammen der Szene um das selbstverwaltete Jugendzentrum Unser Haus e.V. Sie sehen ihrem Taten- und Entfaltungsdrang zu enge Grenzen gesetzt – wollen mehr Kultur, eine größere Zielgruppe, mehr Altersgruppen ansprechen, eine breitere Basis für ihr Tun…

Die 1989 anstehenden Wahlen zur Bezirksamtsleitung machen es möglich: Die Grünen fordern für die Wiederwahl der damaligen Bezirksamtsleiterin Christine Steinert ein Gebäude für ein Stadtteilkulturzentrum. Die SPD lässt sich letztlich darauf ein und bringt als Vorschlag die alte Polizeiwache in der Lohbrügger Landstraße ein.

 

Einzug 1992

1992 kann die Polizei endlich in die neue Zentralwache umziehen und der Verein entrümpelt den „Muff von 1000 Jahren“ um eine breite „Willkommenskultur“ zu etablieren. Die drei neuen jungen hauptamtlichen Mitarbeiterinnen, alles mutige Kämpferinnen für das Gute, sind rund um die Uhr am Werk. Mit viel ehrenamtlicher Hilfe werden Wände durchgebrochen, alte Zellen abgerissen, Büro- und Behördendunst hinaus gefegt, Fußböden verlegt, Räume eingerichtet und erste Programmaktivitäten entwickelt: Konzerte, Klassik, Kindertheater, Infoveranstaltungen, erste Hausräte, Initiativentreffen, Diskussionen mit der Basis, Streit. Manchmal liegen die Nerven blank, aber immer geht es zügig voran und der Elan ist ungebrochen.

 

Endlich ist der Saal fertig - 1994

1994 erfolgt die Einweihung des Veranstaltungssaals. Nun muss man nicht mehr ständig auf den Park oder andere externe Orte ausweichen. Jetzt können auch größere Veranstaltungen endlich in der LOLA selbst stattfinden. Zudem wird die große Spendenkampagne „Parkett statt Beton“ ins Leben gerufen und eingenommene 22.000 DM ermöglichen den Einbau eines voll schwingbaren Parkettbodens. Professionelle Tanzensembles wie das russische Do-Teatr wissen es zu schätzen.

 

LOLA wächst

Das Programm wird nun immer vielfältiger und zahlreicher. Auch die Nachfrage nach Gruppenangeboten, Kursen und Workshops steigt kontinuierlich. Nebenher ist LOLA ständig in Kooperationen unterwegs, nimmt teil an zahlreichen Gremien in Hamburg, ist aktiv im Landesrat der Kulturbehörde und im Hamburger Dachverband Stadtkultur. LOLA wächst all die Jahre stetig, sogar räumlich (ein weiterer Saalanbau erfolgt 2004). Leider wächst über viele Jahre die institutionelle Förderung nicht mit und somit kann auch die Personaldecke kaum wachsen. Es wird mit fast derselben Mitarbeiterzahl immer ausufernder gearbeitet. Dieses Problem wächst proportional zur stetig wachsenden Nachfrage mit. Die Einnahmen ermöglichen immerhin kleine Personalaufstockungen im Teilzeitbereich, die größtenteils eigenfinanziert sind. Inzwischen gibt es einen Booker für das Konzertprogramm, eine weitere Teilzeitkraft organisiert Kurse und Workshops, eine sechste Person organisiert neben anderem die Angebote für Kinder.

 

East Side Story führt zum Stadtteilkulturpreis 2007-2009

Ab 2007 nimmt eine weitere Idee mit einem großen künstlerischen Schwerpunkt Fahrt auf: Kulturelle Impulse für Kinder und Jugendliche im Stadtentwicklungsgebiet Lohbrügge Ost. LOLA entwickelt die East Side Story, ein auf Lohbrügge bezogenes Geflecht von Kulturprojekten in Kooperation mit 8 Schulen aus dem Quartier. In einem Film auftreten, tanzen lernen, Theater- und Puppenspiel, lebensgroße Skulpturen bauen, bei einem Geschichtswettbewerb mitmischen – Träume, die für viele Jugendliche in Lohbrügge in Erfüllung gehen. Das Senatsprogramm Lebenswerte Stadt Hamburg macht es möglich. Im Fokus stehen Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien des Quartiers. LOLA erreicht mehr als 3.000 Kinder mit der East Side Story. Fulminante Aufführungen finden eine begeisterte Öffentlichkeit. Im Jahr 2009 erhält LOLA für diesen erfolgreichen sozialen wie künstlerischen Kraftakt den Hamburger Stadtteilkulturpreis.

 

Gründung des KIKU Kinderkulturhauses 2010/11

Aus dem Erfolg der East Side Story erwächst ein neues Großprojekt mit eigenem Standort. Im Jahr 2010 gibt der Senat grünes Licht für das KIKU Kinderkulturhaus am Lohbrügger Markt. LOLA wird Gesellschafter der neuen Institution. Kulturelle Bildung, Sprachbildung und Integration – das sind die Schlagworte im Claim der neuen Einrichtung. Ein besonderer Schwerpunkt der Arbeit findet sich im Bereich Deutsch als Zweitsprache. Über 80% der „KIKU-Kinder“ sprechen zu Hause eine andere Herkunftssprache. Das KIKU unterstützt sie auf ihrer Bildungslaufbahn. Beide Häuser sind institutionell und personell eng verbunden. LOLA hat damit einen wichtigen Außenstandort für Bildungsarbeit ermöglicht.

 

Max Brauer Preis 2017

Der Erfolg hält an. Im Jahr 2017 erhält LOLA für das Gesamtwerk den renommierten Max-Brauer-Preis.

In der Begründung der Jury heißt es:

„Eine lebendige urbane Kultur zeichnet sich durch Vielfalt, Reibung und Gegensätze aus. Das Kulturzentrum LOLA steht für die kreative Vielfalt und Offenheit, die ein Stadtteilkulturzentrum im besten Falle haben kann. Beherbergt in der ehemaligen Polizeiwache im Stadtteil Lohbrügge ist LOLA seit der Gründung 1992 zum bekanntesten Kulturanbieter in Bergedorf und Umgebung avanciert.

Mit dem Aufbau des KIKU (Kinderkulturhaus Lohbrügge) 2011 hat sich LOLA abermals im Bereich der (inter)kulturellen Bildung professionalisiert. Seit nunmehr 25 Jahren leistet LOLA eine unschätzbar wichtige kulturelle wie soziale Arbeit für den Stadtteil und ist Treffpunkt, Plattform und ‚Heimathafen‘ für zahlreiche Initiativen, Gruppen und Bewohner.“

 

Ein wenig Entspannung seit 2018

Nach zähem Verhandeln und viel Überzeugungsarbeit hat die Die Freie und Hansestadt endlich ein Einsehen. Es gibt eine Erhöhung der institutionellen Förderung im Bereich der Rahmenzuweisung soziokultureller Zentren. Für LOLA bedeutet das endlich ein wenig finanzielle Entlastung vom immerwährenden, langsam sich auch gesundheitlich auswirkenden Leistungsdruck. Ein Quantensprung erfolgt 2019: die seit vielen Jahren geforderte 20-Stunden-Stelle „Assistenz Öffentlichkeitsarbeit“ kann endlich geschaffen und besetzt werden. Eine junge Kraft kümmert sich nun um Social Media und digitale Tools der Öffentlichkeitsarbeit.

 

Die Geschichte geht weiter…..